Website von der KI erstellen lassen – was Anbieter versprechen und was sie verschweigen
„Erstelle deine Website in 5 Minuten mit KI.“ Klingt verlockend, oder? Wix, Squarespace, Jimdo & Co – sie alle haben inzwischen einen KI-Generator, der aus ein paar Sätzen eine fertige Website zaubert. Kein Designer nötig, kein Budget, kein Aufwand.
Ich bin Webdesignerin. Natürlich könnte man jetzt denken, ich hab ein Interesse daran, dir das auszureden. Aber ich verspreche dir: Ich versuche hier ehrlich zu sein – denn es gibt tatsächlich Situationen, in denen ein KI-Baukasten völlig ausreicht. Und es gibt Situationen, in denen du dir damit richtig Arbeit einhandelst. Lass uns das einmal auseinandernehmen.
Was KI-Baukästen versprechen – und was sie wirklich liefern
Die Idee ist simpel: Du gibst an, was du machst, wählst eine Branche und einen Stil – und die KI baut dir eine fertige Website. Texte, Bilder, Struktur, alles dabei. In der Theorie.
In der Praxis bekommst du ein solides Grundgerüst. Die Seiten sehen auf den ersten Blick professionell aus, das Layout ist aufgeräumt, und für jemanden ohne jede Webdesign-Erfahrung ist das ein echter Fortschritt gegenüber einer leeren Seite. Soweit so gut. Das Problem fängt an, wenn du genauer hinschaust.
Was dabei gerne übersehen wird:
1. Die Texte klingen wie… KI
KI-generierte Texte sind glatt. Zu glatt. Kein Charakter, keine Haltung, keine Stimme. Formulierungen wie „Wir bieten hochwertige Lösungen für Ihre individuellen Bedürfnisse“ überzeugen niemanden – und Google mag sie auch nicht. Wer die Texte nicht überarbeitet, verliert potenzielle Kund*innen bereits im ersten Absatz.
2. Pagespeed? Oft ein Problem
KI-Baukästen laden viele Ressourcen automatisch – Skripte, Fonts, Tracking-Tools, Widget-Bibliotheken. Das klingt harmlos, kostet aber Ladezeit. Und Ladezeit kostet Besucher*innen. Google bewertet Seitengeschwindigkeit als Rankingfaktor. Was nützt die schönste KI-Website, wenn sie bei Google auf Seite 3 landet, weil sie zu langsam ist?
3. Responsivität ist nicht selbstverständlich
Viele KI-generierte Layouts sehen auf dem Desktop gut aus – und auf dem Smartphone furchtbar. Texte übereinander, Buttons zu klein zum Antippen, Bilder abgeschnitten. Das passiert, weil KI-Tools oft mit Desktop-Ansicht denken und mobile Darstellung als Nachgedanken behandeln. Über 60 % der Website-Besuche kommen heute vom Smartphone. Kein guter Zeitpunkt zum Schludern.
4. Datenschutz und Rechtssicherheit – ein echtes Risiko
Ein KI-Baukasten erstellt dir eine Website – aber keine rechtssichere. Impressum, Datenschutzerklärung, Cookie-Banner: Das sind keine Vorlagen-Texte, sondern rechtliche Dokumente, die zu deinem Business passen müssen. Viele Baukasten-Anbieter betreiben ihre Server in den USA – was allein schon ein Datenschutzproblem sein kann. Das generierte Kleingedruckte schützt dich nicht.
5. SEO? Nur auf dem Papier
KI-Baukästen werben gerne damit, „SEO-optimiert“ zu sein. Was das meistens bedeutet: Es gibt ein Feld für Meta-Titel und Meta-Description. Das war’s. Echte Suchmaschinenoptimierung ist mehr als ausgefüllte Felder – sie fängt beim Seitenkonzept an. Welche Keywords sucht deine Zielgruppe wirklich? Wie sind Inhalte strukturiert? Gibt es sinnvolle interne Verlinkungen? All das beeinflusst, ob du bei Google gefunden wirst oder nicht. Eine automatisch generierte Website ist technisch lauffähig, aber nicht strategisch aufgestellt.
6. Barrierefreiheit? Fehlanzeige
Seit Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) – und KI-Baukästen erfüllen die Anforderungen in den meisten Fällen nicht automatisch. Fehlende Alt-Texte, unzureichende Farbkontraste, keine Keyboard-Navigation: Das sind typische Probleme, die ein KI-Generator einfach nicht im Blick hat.
Was das konkret bedeutet und wen das Gesetz betrifft, habe ich in einem eigenen Artikel erklärt: „BFSG 2025: Was die Barrierefreiheitspflicht für deine Website bedeutet“ →
Wann ein KI-Baukasten trotzdem okay ist
Ich sag’s, weil’s fair ist: Es gibt Situationen, in denen ein KI-Baukasten eine vernünftige Wahl ist.
Zum Beispiel wenn du gerade erst startest, noch kein Budget hast und einfach überhaupt erstmal online sein willst. Oder wenn du eine temporäre Landingpage für ein einzelnes Projekt brauchst. Oder wenn du selbst technikaffin bist und bereit, die Schwächen aktiv auszubügeln. Dann kann ein Baukasten ein sinnvoller erster Schritt sein – solange du weißt, was du dir dabei einhandelst.
Wann du lieber in echte Unterstützung investierst
Sobald deine Website dein wichtigstes Akquise-Tool ist – und das ist sie für die meisten Selbstständigen und kleinen Unternehmen – lohnt sich professionelle Unterstützung. Nicht weil ich das sage. Sondern weil eine Website, die langsam lädt, auf dem Handy kaputt aussieht oder rechtlich angreifbar ist, dir aktiv schadet.
Ein guter Webdesign-Prozess denkt Pagespeed, Responsivität, Datenschutz, SEO und Barrierefreiheit von Anfang an mit – nicht als Nachbesserung. Und ja: Auch dabei setze ich KI-Tools ein. Für Recherche, für Textentwürfe, für technische Checks. Aber als Werkzeug – nicht als Ersatz für Nachdenken.
Fazit: KI ist kein Webdesigner
KI-Baukästen sind beeindruckend geworden. Aber sie ersetzen kein Konzept, keine Strategie und keine Verantwortung für das Ergebnis. Wer eine Website will, die wirklich arbeitet – die gefunden wird, die überzeugt und die rechtlich sauber ist – kommt um ein bisschen mehr Aufwand nicht herum.
Die gute Nachricht: Dieser Aufwand muss nicht riesig sein. Manchmal reicht ein ehrliches Gespräch, um zu wissen, was du wirklich brauchst.
Du bist dir nicht sicher, ob deine Website das hält, was sie verspricht?
Ich schau sie mir kurz an und sage dir direkt, was ich sehe – unverbindlich und kostenlos.